SÜDVERS Campus Workshop – Pensionsverpflichtungen im Niedrigzinsumfeld

Auswirkungen auf Ergebnis und Handlungsoptionen

Das anhaltend niedrige Zinsumfeld stellt hohe Anforderungen an Firmen und ihre Bilanzen. Durch den weiterhin sinkenden Zins werden die Pensionsrückstellungen in den Unternehmensbilanzen innerhalb der nächsten Jahre stark ansteigen. Die Maßnahme der Bundesregierung, den Betrachtungszeitraum für den Referenzzins zur Ermittlung der Handelsbilanzrückstellung von bisher sieben auf neu zehn Jahre zu verlängern, bewirkt hier nur eine kurze Verschnaufpause.

  • Wie wirkt sich diese Rückstellungserhöhung eigentlich genau auf die Unternehmen aus?
  • Was bedeutet das für Betriebsergebnis und eventuelle Tantieme-Ansprüche?
  • Was ist der wahre Wert der Pensionsverpflichtung?
  • Gibt es Handlungsoptionen, diesem Umstand zu begegnen?

Diesen Fragestellungen ging die SÜDVERS Campus Kundenveranstaltung am Donnerstag, den 29. September 2016 in den Räumen der SÜDVERS Zentrale in Au intensiv nach. Referenten hierzu waren Markus Keller, Geschäftsführer der febs Consulting GmbH und Felix Hänsler, Leiter der SÜDVERS Vorsorge GmbH.

Markus Keller legte den Schwerpunkt seiner Ausführungen auf Pensionsverpflichtungen von Gesellschafter-Geschäftsführern (GGF) einer GmbH. Er zeigte zunächst auf, dass die Höhe der Pensionsverpflichtungen in den Bilanzen stark von den zu Grunde liegenden Berechnungsgrundlagen abhängt und z.B. die steuerbilanziellen Pensionsrückstellungen weit vom „wahren“ Wert der Verpflichtungen entfernt sind. Danach wurde anhand des aktuellen Niedrigzinsumfelds der Verlauf der Pensionsrückstellungen in der Handelsbilanz simuliert und dargelegt, dass durch die extrem ansteigenden  Rückstellungen in den nächsten Jahren manche Unternehmen in eine existenzbedrohende Lage kommen können. Um dies zu verhindern, zeigte Markus Keller diverse Lösungsmöglichkeiten für betroffene GGF auf, wie z.B. die Reduzierung der Zusagen um den zukünftig erdienbaren Teil („future service“), die Umstellung auf Kapital- statt Rentenleistungen oder die Ausfinanzierung der Zusagen. Es wurde deutlich, dass es nahezu für jeden Fall geeignete Lösungsansätze gibt.

Nachdem Markus Keller die Facetten der Pensionsverpflichtungen beleuchtet hatte, richtete sich das Augenmerk von Felix Hänsler auf das Belegschaftsgeschäft (Mitarbeiterversorgung). Zunächst wurden die rechtlichen Leitplanken beleuchtet. Während bis zum Jahr 2001 alles auf Freiwilligkeit aus Sicht der Unternehmen ausgerichtet war und auch noch häufig klassische Leistungszusagen  für Betriebstreue anzutreffen waren, ist mit dem Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung seit 2002 jedes Unternehmen verpflichtet ein entsprechendes Angebot vorzuhalten. Die außerdem bestehende grundsätzliche Subsidiärhaftung im Betriebsrentengesetz wurde im Kontext der Entgeltumwandlung nur selten beachtet. Diese hat zur Folge, dass die Unternehmen für die zugesagten Leistungen immer einstehen müssen. Nach 14 Jahren Rechtsanspruch haben sich in der Praxis nur geringe Akzeptanz- bzw. Teilnahmequoten eingestellt –  dies ist insbesondere in Firmen bis 500 Mitarbeiter festzustellen.

Die Gründe sind:

  • Mangelnde Aufklärung der Arbeitgeber und betroffenen Mitarbeiter.
  • Die Konkurrenz zu privaten Beratern, die keinen Zugangsweg haben.
  • Die landläufige Meinung, dass sich Produkte der Lebensversicherungen nicht mehr lohnen.
  • Die fehlende Flexibilität bei Arbeitgeberwechsel.

Im Folgenden erläuterte Felix Hänsler die Alleinstellungsmerkmale und Rentabilität des Systems der betrieblichen Altersversorgungen. Bei innovativen Lösungen, die für die Firmen personalkostenneutral sind, kann ein Mitarbeiter mit 1 EUR Nettoaufwand ca. 3 EUR ansparen, so dass sich ein Zuschuss von 200 Prozent ergibt. Trotz der nachgelagerten Versteuerung und SV-Pflicht wird eine systemische Verzinsung von 3 bis 5 Prozent laufzeitabhängig erreicht – unabhängig der Verzinsung aus dem Produkt. Dabei muss die Auszahlung als Rente erfolgen und dann möglichst ein Tarif gewählt werden, bei dem das Restkapital bei Tod nach Rentenbeginn für die erbberechtigten Hinterbliebenen geschützt wird. Die betriebliche Altersversorgung –  bAV – so Hänsler, sei außerdem der einzig staatlich geförderte AV-Lösung, bei der die Förderungen automatisiert und unmittelbar  (ohne Zutun der Betroffenen in der Steuererklärung) gutgeschrieben werden und außerdem ein Kapitalwahlrecht kurz vor dem Versorgungszeitpunkt besteht.

Im letzten Teil seines Vortags berichtet Felix Hänsler von den enormen Anforderungen, die auf die Personalabteilungen zukommen und gab klare Handlungsempfehlungen. Den Unternehmen kann es auch im Rahmen der Entgeltumwandlung nicht zugemutet werden, alles zuzulassen, da sonst die ohnehin zunehmende Administration nicht mehr geleistet werden kann. SÜDVERS hat hier Abhilfe geschaffen und plant für das erste Quartal 2017 ein Firmenportal, mit dem die Kunden Ihre bAV-Lösungen sehr einfach verwalten und die anstehenden Geschäftsvorfälle übernehmen können. Eine fundierte Aufklärung der Arbeitgeber und Belegschaft ist ohnehin Standard bei SÜDVERS und stößt in den Firmen auch auf eine sehr positive Resonanz, da Transparenz in jeglicher Hinsicht gelebt wird, um die Hemmnisse und Vorbehalte abzubauen. Die Firmen werden in Zukunft wieder vermehrt die bAV als personalpolitisches Instrument nutzen. Hier stehen derzeit das Wartezeitmodell im Rahmen der  AG-finanzierten bAV und kollektive Berufsunfähigkeitsversicherungen auf der Agenda der Firmen.

Der gut besuchte Workshop klang  – wie die SÜDVERS Campus Veranstaltungen immer – mit einem Get-to­ge­ther bei Getränken, Imbiss und anregenden Diskussionen aus. Die Veranstaltungsreihe geht in Freiburg am 30. November weiter mit dem Thema SÜDVERS Risiko-Management mit System. Risiken minimieren – Erträge sichern. Diese Veranstaltung wird auch in den Niederlassungen Hamburg (15. November 2016),  Hannover (24. November 2016) und Leonberg (1. Dezember 2016) angeboten.